5 Thesen zum Theater der Zukunft

Die folgenden 5 Thesen zum Theater der Zukunft sind im Rahmen eines Seminarblocks unter der Leitung von Theaterkritikerin Esther Slevogt als Teil des Stipendiatenprogramms der 18. Internationalen Schillertage entstanden.

I.
Theater ist das dialektische Andere, das dem Internet immer noch fehlt. Theater
ist der Mensch als Körper. Internet ist der Mensch als Text. Das Theater der
Zukunft eignet sich die offene und vernetzte Struktur des Internets an.
Theater wirft den Menschen auf seine Körperlichkeit zurück und öfnet dadurch
einen Raum, in dem andere Welten möglich und erlebbar werden. Theater macht
Lebensrealitäten erfahrbar und stellt Solidarität her. So kann es das Gegenmodell
zum Prinzip der Vereinzelung auf dem freien Markt sein: Weil Theater der Ort
ist, an dem durch Kopräsenz Gemeinschaften gebildet werden können.

Theater ist unberechenbar and should embrace imperfection.

II.
Die Bühne als Benutzeroberfäche: Die Bühne der Zukunft ist losgelöst von
Architektur zu denken. Theaterbauten, die Schlösser des Bürgertums, werden in
der Netzgesellschaft um dezentrale Schauplätze erweitert. Das Theater der
Zukunft schafft neue Bühnen, die sich als Rahmung von Was-Wäre-Wenn-
Konstruktionen verstehen. Es sucht das Potential von Stadt und Land, von
Hinterhof und Internet als Spielräume. Das Theater der Zukunf interessiert sich
weniger für das Zeigen und Vorspielen, als für das Ineinandergreifen und
Durchspielen.
Die Bühne der Zukunft nimmt die Herausforderung der zunehmenden
Gleichzeitigkeit in der Netzgesellschaft dankend an.

III.
Theater generiert neue Öffentlichkeiten und integriert bereits bestehende.
Öffentlichkeit ist Bedingung und Plattform für gesellschaftliche und politische
Diskurse. Unterschiedliche Theaterformate adressieren unterschiedliche
Öffentlichkeiten.
Theater eröffnet Möglichkeiten des Austauschs verschiedener Generationen,
sozialer Milieus, Interessengruppen, Religionsangehöriger und ethnischer
Gruppen.

IV.
Der künstlerische Prozess wird demystifiziert und dadurch zugänglich für die
Öffentlichkeit, die sich immer mehr berechtigt fühlt, an der Kunst teilzuhaben:
Es entstehen Osmosen zwischen Theaterschaffenden und ihrer Umwelt sowie
unterschiedlichsten Kunstformen.
Der Begrif der Autor*innenschaft erweitert sich. Viele Formen können parallel
existieren. Gleichzeitig differenziert sich der Künstler*innen-Begriff aus:
Zuschauende werden zu Akteur*innen, Schauspielende zu Autor*innen.
Hierarchische Strukturen verändern sich hin zu kollaborativen Arbeitsweisen.
Die „geschlossene Gesellschaft“ des Theaters öffnet sich für Kommunikation und
Dialog.

V.
Welche Haltungen erfordert das Theater der Zukunft?
Selbstverpflichtung zur Mündigkeit
jede*r Beteiligte hat die Pficht sich und Andere im Produktions- wie im
Rezeptionsprozess als handelndes und erkennenden Subjekt zu begreifen

Selbstverpflichtung zur Courage
empfundene Missstände müssen ohne Rücksicht auf ökonomische, persönliche
oder ästhetische Folgen veröffentlicht werden

Selbstverpflichtung zum Respekt
ehrliche Auseinandersetzung mit Subjektivität, Themenzugang und Komplexität

Selbstverpflichtung zum Austausch

Selbstverpflichtung zur Befreiung von konventioneller Einschreibung
größtmögliche Freiheit im Umgang mit räumlicher, zeitlicher und medialer
Anordnung – form follows content

Mannheim, 19. Juni 2015

 Sitsofe Azoma
 Anne Hübner
 Miko Hucko
 Kathia von Roth
 Isa Pietsch
 Elena v. Liebenstein
 Julia Herbrik
 Verena Wössner
 Esther Slevogt
 Corinna Hirrle
 Johanna Benrath
 Josephine Algieri
 und Chris_Tiane

Festivalalltag

Seit Freitag begeistern die Schillertage Besucher, Seminarteilnehmer und – natürlich – unser Festivalteam. Wer noch nicht vor Ort war, lässt sich viellicht hiervon locken:

bild1 bild2Infopoint und Außenbereich des Festivalzentrums – wenn das nicht einlädt!

(das Schild des Infopoint hängt inzwischen dank fachmännischer Anbringung auch wieder gerade)

Sammelstelle #schiller2go

Neben den vielen tollen Bildern (eine Sammlung unter: http://iconosquare.com/tag/schiller2go) unseres #schiller2go-Events, gibt es auf Blogs der Teilnehmer spannende Geschichten dazu – die sicherlich so viel sagen wie Bilder! :)

Hier geht’s zu den Blogeinträgen von Marissa, Julia, Michael und MAWAYOFLIFE (sortiert nach Erscheinungsdatum).

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Die #schiller2go #walk Truppe – der Knaller!