Pflaster treten

(…..oder Guerillas in Mannheim)

Bevor das Volk auf den Bühnen des Nationaltheaters Mannheim zum 2.Bürgerbühnenfestival auftreten kann, trat das Volk das Pflaster. Auf den Straßen, die die Welt bedeuten.
stempel_pflaster
stempel_christianeUnd am Samstag hieß es: Hinaus, hinaus!
stempel_herausDas Geräuschorchester der Mannheimer Bürgerbühne auf dem Weg zum Bürgerlauf, mit gefüllten Luftballons.
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Lernen, das Geräusch zu adeln

Mit dem Mannheimer Geräuschorchester # 1  feierte die Bürgerbühne am Nationaltheater Mannheim in der letzten Spielzeit eine besondere Premiere. Unter der künstlerischen Leitung von Johannes Gaudet und Anselm Dalferth erarbeiteten 100 Mannheimer Bürger in Workshops eine Musiktheaterperformance auf der Grundlage von Edgar Allan Poes Die Maske des roten Todes (zum Nachlesen auf Deutsch im Projekt Gutenberg DE).

In 10 Workshops experimentierten sechs Gruppen mit der Klangvielfalt von Alltagsgegenständen und erzeugten atmosphärische Musikbausteine, die schließlich mit dem Text, interpretiert von Schnawwl- Schauspieler Uwe Topmann, zu einem szenischen Konzert verwoben wurden. Man darf staunen, welche musikalischen Möglichkeiten alte Tonbandgeräte, Papier, Bleche, Dachlatten, Siebe und vieles mehr in sich bergen. Im Interview erzählt Johannes Gaudet von der Idee und der Arbeit am Geräuschorchester # 1.

Johannes Gaudet - Dramaturg und Musiktheaterpädagoge Junge Oper Mannheim

Johannes Gaudet – Dramaturg und Musiktheaterpädagoge Junge Oper Mannheim

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Warum mein Herz für die Bürgerbühne schlägt

Seit die Bürgerbühne 2012 im NTM ins Leben gerufen wurde, bin ich neugierige Teilnehmerin von verschiedenen Angeboten.

Beim „Club der Sucher nach der verlorenen Zeit“ waren die Teilnehmer schauspielerisch und auch kreativ mit dem Thema gefordert. Unter professioneller Anleitung von Stefanie Bub und Assistenz kam eine erstaunlich gelungene Performance zustande, die allen richtig Spaß gemacht hat und vom Publikum mit viel Applaus honoriert wurde.

Clubstunde bei den Suchern nach der verlorenen Zeit in den Räumen der Bürgerbühne in R 4

Clubstunde bei den Sucher nach der verlorenen Zeit in den Räumen der Bürgerbühne in R 4

In der darauf folgenden Spielzeit war ich Teilnehmerin beim Mannheimer Geräuschorchester und bei einem Club, der sich mit Kunst und Darstellung von Kunst beschäftigte, „Crossover“ der zutreffende Titel.

Das Geräuschorchester hat mich sehr beeindruckt. Ein gelungenes Zusammenwirken von etwa 80 Mannheimer Bürgern unter Anleitung von professionellen Musikern und anschließend ein Zusammensetzen zu einer dramatisch-musikalischen, mit Text untermalten Geschichte im Opernhaus. Die Zusammenarbeit von Profis und Laien hat sich in einer erstaunlichen Leichtigkeit super ergänzt. Der

Beifall des Publikums zeigte deutlich, wie gelungen das Ganze war – zur Eröffnung des Bürgerbühnenfestivals dürfen alle Teilnehmer noch einmal den Spaß erleben.

„Crossover“ wurde in Kooperation mit der Kunsthalle Mannheim angeboten und war ein sehr spezieller Club für mich. Es ging um die Betrachtung von Bildern, die eigene Empfindung beim Betrachten und die Umsetzung in eigene Bilder im Kopf sowie die Darstellung der eigenen Bilder mit der Stimme, mit dem Körper und mit Gedanken.

Impressionen vom Club der Crossover-Künstler in der Kunsthalle Mannheim

Impressionen vom Club der Crossover-Künstler in der Kunsthalle Mannheim

Das Anschauen von Gemälden oder Skulpturen zusammen mit professionellen Kunstkennern und Steffi Bub als Dramaturgin sowie mit einer Musikpädagogin hat am Ende zu einer Performance geführt, die die Teilnehmer erstaunt und das Publikum erfreut hat. Auf jeden Fall eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen wollte.

Abgesehen von den Erfahrungen, zusammen mit Mitbürgern etwas zu erarbeiten, Spaß miteinander zu haben und über darstellende Kunst etwas zu lernen, hat meine Teilnahme an den Bürgerbühnen-Angeboten meinen Blick als Zuschauer und Zuhörer in jedem Fall positiv verändert.

Dorothea Schmitt

2. Bürgerbühnenfestival – Work in Progress

Vom 20. – 27. März 2015 findet in Mannheim das 2. Bürgerbühnenfestival statt, ein deutsch-europäisches Theatertreffen, ausgerichtet vom Nationaltheater Mannheim. Nicht nur bei den Produktionen, sondern auch bei der Vorbereitung und Durchführung des Festivals arbeiten die Theater-Profis mit Bürgern zusammen. Mikel und ich, Klaus, nehmen am Marketing-Club der Bürgerbühne teil, der die Marketingaktivitäten für das Festival erarbeiten soll, zumindest daran mitarbeiten soll. Nach einigen Sessions mit Lockerungsübungen und Brainstormings lechzen wir nach handfesten Infos über das Festival, die Gastspiele, das Rahmenprogramm. Veröffentlicht wird das Programm jedoch erst nach der Pressekonferenz am 27. Januar 2015. Dazu sprachen wir am 24.11.14 mit Stefanie Bub, der Koordinatorin der Bürgerbühne am NTM und eine der wichtigsten Protagonisten bei der Ausrichtung des Festivals.

Bild: Stefanie Bub

Zwar ist das NTM mit Schillertagen und Mozartsommer Festival-erfahren, doch ist das Bürgerbühnenfestival auf weite Strecken Neuland. Nach der diesjährigen Premiere in Dresden wird es im Frühjahr 2015 erst die 2. Ausgabe des Festivals sein.

Der Erfolg des Festivals steht und fällt in erster Linie mit der Qualität der eingeladenen Produktionen. Die ganze Vielfalt des partizipativen Theaters sollen sie zeigen: Sprechtheater, Tanztheater und Musiktheater. Mit Laien jeden Alters, die einen erheblichen Anteil zu dem künstlerischen Gehalt der Produktion beitragen. Aus Deutschland und dem europäischen Ausland sollen sie kommen, qualitativ herausragen, anspruchsvoll und innovativ sein. Und sie müssen mit einem professionellen Team (Regie, Ausstattung, Musik, …) produziert und in einem professionellen Rahmen mehrfach aufgeführt worden sein. Von selbst kommen solche Produktionen nicht angelaufen, sie müssen entdeckt werden.

So hat Stefanie die letzten Wochen und Monate diverse Netzwerke Theaterschaffender abgeklappert, Presserezensionen durchstöbert, im Web recherchiert und die entsprechenden Regisseure und Dramaturgen animiert, ihre Inszenierungen für den Wettbewerb zu nominieren. Zahlreiche Sprech- und Tanztheaterproduktionen sind zusammengekommen, nur beim Musiktheater ist das Angebot etwas dünn – nicht ganz unerwartet. Konkrete Zahlen sind geheim, sollen erst bei der Vorstellung des gesamten Festival-Programms Ende Januar veröffentlicht werden.

Welche 12 Produktionen eingeladen werden, entscheidet ein Kuratorium mit Vertretern des Staatsschauspiels Dresden, des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, des Deutschen Theaters Berlin, des dänischen Aalborg Teater sowie des Nationaltheaters Mannheim. Das sind die gleichen Institutionen, die auch schon für das erste Bürgerbühnenfestival die Jury gestellt haben. Kontinuität in dieser frühen Phase des Festivals ist damit gegeben. Bevor das Kuratorium Anfang Dezember seine Entscheidung trifft, müssen sich deren Mitglieder noch stunden-, tage- und nächtelang diverse DVDs reinziehen. Ein Privileg hat der Ausrichter: er kann bestimmen, welche seiner eigenen Produktionen im Rahmen des Festivals jedoch außerhalb des Wettbewerbs gezeigt werden. So wird  das Mannheimer Geräuschorchester #1 am Eröffnungstag um 21.00 Uhr im Opernhaus zu hören und zu sehen sein. Dieser Termin ist bereits veröffentlicht und steht auch schon online im Gesamtspielplan.

Das Mannheimer Geräuschorchester #1

Das Mannheimer Geräuschorchester #1

Und dann gibt es da noch das Rahmenprogramm. Es wendet sich an unterschiedliche Communities, Regisseure und Dramaturgen, Theaterwissenschaftler, aktive Bürger der Bürgerbühnen, die Bevölkerung der Mannheimer Region, solche, die auch sonst ins Theater gehen oder gerade nicht. Bisher nicht. Als Novum ist eine Bürgerjury mit von der Partie. 20 Bürger, Jugendliche und  Erwachsene, werden sich alle 12 Gastspiele anschauen, bewerten und zum Schluss ihren Bürgerpreis verleihen. Zurzeit bereiten sie sich in ihrem Bürgerjury-Club intensiv auf diese Aufgabe vor. Das Gros der Workshops, Vorträge, Diskussionen soll offen für alle sein, partizipativ, wie die Bürgerbühne selbst. In den unterschiedlichen Formaten soll die in Dresden begonnene Qualitätsdebatte über Formen und Inhalte des professionellen Bürgerbühnentheaters weitergeführt werden. Einige wichtige Protagonisten haben ihre Teilnahme bereits zugesagt.

Nun ja, ich sehe ja ein, dass wir Dinge wissen wollen, die noch nicht spruchreif sind. Sobald die Gastspiele ausgewählt sind, ist die Basis für stärker inhaltlich ausgerichtete Arbeit da. Beispielsweise werden wir erkennen können, welche Themen spezielle Zielgruppen ansprechen, um uns Gedanken zu machen, wie wir diese als Zuschauer gewinnen können. Es wird spannend.