Lebensqualitäten

Beim durchblättern des Bürgerbühnenprogramms bin ich sofort bei einem Stück hängen geblieben: Qualitätskontrolle, das gleich zur Eröffnung am 20. März gespielt wird. Das Konzept erschien mir als äußerst unkonventionell. Aber warum eigentlich?

Maria-Cristina Hallwachs ist seit 20 Jahren von den Schultern abwärts gelähmt und lebt ihr Leben erhobenen Hauptes. Sie erzählt, dass sie nach ihrem Unfall, der ihr jetziges Dasein verursachte, gefragt wurde, ob sie überhaupt weiterleben möchte. Natürlich wollte sie das. Warum auch nicht? Warum sollte ihr Leben nun schlechter sein als vorher?

Daher musste ich mich auch erst einmal selbst schelten, als ich über Lebensqualitäten nachdachte. Wir leben in einer Gesellschaft, in der die vollen körperlichen Funktionen als unabdinglich für ein erfülltes Leben gelten. Es gibt sogar (und das war mir bis vor kurzem unklar) pränatale Untersuchungen, die die Lebensqualität des Fötus einschätzen. Was soll der Blödsinn eigentlich? Ist das nicht herabwürdigend? Warum sollte eine körperliche (oder auch geistige) Einschränkung gleichzeitig eine Lebenseinschränkung sein?

Genau aus diesem Grund empfinde ich das Stück Qualitätskontrolle des Rimini Protokolls als so wichtig. Frau Hallwachs erzählt von ihrem Leben, von ihren Träumen, von ihrer Lebensfreude. So wie jeder andere. Nur sitzt sie im Rollstuhl. Und wir als Zuschauer haben die Möglichkeit, zu lernen, das anders leben auch ganz leben ist. Niemand wird unvoreingenommen in dieses Stück gehen, aber ich hoffe, dass jeder Einzelne seine Vorbehalte revidieren können wird.