Lernen, das Geräusch zu adeln

Mit dem Mannheimer Geräuschorchester # 1  feierte die Bürgerbühne am Nationaltheater Mannheim in der letzten Spielzeit eine besondere Premiere. Unter der künstlerischen Leitung von Johannes Gaudet und Anselm Dalferth erarbeiteten 100 Mannheimer Bürger in Workshops eine Musiktheaterperformance auf der Grundlage von Edgar Allan Poes Die Maske des roten Todes (zum Nachlesen auf Deutsch im Projekt Gutenberg DE).

In 10 Workshops experimentierten sechs Gruppen mit der Klangvielfalt von Alltagsgegenständen und erzeugten atmosphärische Musikbausteine, die schließlich mit dem Text, interpretiert von Schnawwl- Schauspieler Uwe Topmann, zu einem szenischen Konzert verwoben wurden. Man darf staunen, welche musikalischen Möglichkeiten alte Tonbandgeräte, Papier, Bleche, Dachlatten, Siebe und vieles mehr in sich bergen. Im Interview erzählt Johannes Gaudet von der Idee und der Arbeit am Geräuschorchester # 1.

Johannes Gaudet - Dramaturg und Musiktheaterpädagoge Junge Oper Mannheim

Johannes Gaudet – Dramaturg und Musiktheaterpädagoge Junge Oper Mannheim

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Familientheater – ein Workshop für alle ab 6 bis 99 Jahren

Zusammen mit meinem 6-jährigen Enkel Phileas hatte ich mal wieder Spaß bei einem Angebot der Mannheimer Bürgerbühne.

Von Josefine Rausch (Theaterpädagogin am Schnawwl) angeleitet und zum Familienspiel animiert, hat es wirklich jeder Teilnehmer geschafft mit Spaß und Spielfreude zusammen mit den Kindern in kurzer Zeit unter anderem in vertauschte Rollen zu schlüpfen. Die Kinder hatten besonders Spaß beim Rollentausch. Sie sollten Erwachsene spielen und die Erwachsenen mal wieder kindliches Verhalten üben. Gar nicht so einfach, wie wir feststellen mussten, während die Kinder keine Probleme hatten, die Rollen zu tauschen. Ich war überrascht was unter professioneller Anleitung in so kurzer Zeit (3 Stunden) alles möglich ist.

Workshopaufgabe: Alte Familienbilder nachstellen und die Geschichten, wie es wohl damals dazu gekommen sein könnte.

Workshopaufgabe: Alte Familienbilder nachstellen und die Geschichten, wie es wohl damals zum Porträt gekommen sein könnte und welche Familienverhältnisse früher geherrscht haben, nacherzählen.

Jetzt geht’s als Belohnung in eine Aufführung im Schnawwl und vielleicht treffen wir dort den ein oder anderen fröhlichen Mitspieler wieder.

Dorothea Schmitt

Blicke wechseln

Bürgerbühne im Nationaltheater Mannheim bedeutet ja nicht nur Produktionen, sondern auch Hintergrund. Teilhaben lassen am Produktionsprozess. Ja, letztendlich ist ein Stadttheater auch ein Riesenbetrieb. Angeboten war ein Workshop Blickwechsel 2.
Im Großschreibmodus des NTM heißt das:
»ALL THE WORLD’S A STAGE« – SHAKESPEARES KOMÖDIEN IN SCHAUSPIEL, OPER & BALLETT.
Gebucht!

Ich werde hier keine Elegien zu Shakespeare schreiben, die analogen, wie digitalen Bibliotheken dieser Welt sind voll da davon. Seine Originalwerke kann man beim Projekt Gutenberg auch downloaden. Auch die Inszenierungen selbst will ich nicht besprechen, auf den verlinkten Seiten des Theaters gibt es Presseschauen dazu. Es geht hier nur um den Workshop. Der steht schließlich auch im Spielplan. :)
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Eine heterogene Gruppe von c.a. 15 Theaterbesuchern, mitten darin, wie fast immer bei meinen Bürgerbühnen-Tests, Mitglieder des Mannheimer Geräuschorchesters, das wohl eine erstaunliche Bindungskraft an das Theater bewirkt. (Sic!) Wir besuchten zusammen drei Produktionen. Und alle Stücke kamen mit Musik daher. Die erste Feststellung!

Viel Lärm um Nichts im kleinen Haus Schauspielhaus. Die Musik dazu findet man als Soundtrack zu dem Film “Much Ado About Nothing” (dem Shakespear’schen Originaltitel) im gut sortierten Handel. (Hüstel, keine Links auf Internetimperien).
[UPDATE]
Stefanie Gottfried, hat genauere Angaben zur Musik geschickt. Siehe die Kommentare… Ich füge das hier ein:

Mikel schrieb: “Viel Lärm um Nichts im Schauspielhaus. Die Musik dazu findet man als Soundtrack zu dem Film Much Ado About Nothing …”
Das stimmt nicht ganz! Denn nur das Lied “Sigh no more” ist aus dem Film (als einziges!), sonst keines. Außerdem kommen in der Inszenierung vor: “Addicted to love” von Robert Palmer, “Calling me a liar” von Florence & the Machine, “No longern mourn” nach dem Shakespeare Sonett als eine Original-Komposition des Muskers dieser Inzenierung Johannes Winde – wie im Übrigen auch alle Party- und Zwischenmusiken an diesem Abend von Johannes Winde sind. Nicht live, sondern von CD abgespielt kommen außerdem noch vor: “Dies Irae” (Verdi Requiem) und “Duel of the Fates” (Star Wars).

Also: Noch ein guter Grund die Vorstellung zu besuchen! Die meisten Songs sind nur dort zu hören. Theater eben, live.
[/UPDATE]

Falstaff von Giuseppe Verdi, im, nun, Opernhaus. Der Librettist Arrigo Boito verarbeitete dazu Die lustigen Weiber von Windsor und Heinrich IV zu einem Mashup, wie man heute sagen würde. Wobei er sich trotz Kürzungen erstaunlich eng an den Ursprungstext anlehnte. Haben wir gelernt! Musik? Also Falstaff gibt es in unzähligen Einspielungen, die man im Handel…aber das hatten wir ja schon.

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